Personal Trainer München - Trainerman. Ich freue mich über Ihren Anruf: 0170 2107874|info@trainerman.de

Bewegungsanalyse und Schonhaltung

Therasport, 14.3.2019

Bei meinem Fortbildungs-Thema „Bewegungsanalyse und Schonhaltung“ geht es darum, dass es in einer bestimmten Nachbehandlungsphase Bewegungsmuster gibt, die immer wiederkehrend sind, und langfristig zu zwei Problemen führen (können). Zum einen blockieren sie den weiteren Fortschritt und zweitens können Probleme an anderen Körperstellen auftreten. 

Bewegungen nach Knieverletzungen

Wir thematisieren das Gehen, Laufen und Treppensteigen nach einer Knie Verletzung (zum Beispiel Operation nach vorderer Kreuzband Ruptur). Konkret geht es jeweils um eine ganz bestimmte Schonhaltung, und der Grund ist bei allen Bewegungen derselbe. Nämlich die fehlende Kraft des Quadriceps, oder die Angewohnheit über die lange Zeit des Schonens. So ist es die exzentrische Phase des Quadriceps im Moment des Fußaufsatzes beim Gehen und später beim Laufen. Und ebenso ist es beim einbeinigen herausdrücken des Körpergewichts beim Treppensteigen. Auch das einbeinigen Bremsen beim Treppabsteigen hat diese Ursache. Alle Schonhaltungen in den Heilungsphasen zuvor sind einfach zu sehen und zu beheben (zum Beispiel die fehlende Beugung oder Streckung in der Spielbeinphase). Diese speziellen allerdings, bleiben oft unentdeckt, weil sie schwer zu sehen sind und kaum thematisiert werden. Und wenn wir in dieser Phase (ab ca. Woche 12-16) eine Gangschule machen, fällt diese meist mau aus. Und das ist schade und unnötig. In der Praxis hört man dann gerne irgendwelche Floskeln wie „gleichmäßiger Laufen“, anstatt konkrete Hinweise zu geben.

Bewegungsanalyse und Schonhaltung

Zunächst ein paar Worte zur Bewegungsanalyse und Schonhaltung. Schonhaltung macht erstmal Sinn, diese Maßnahme schont schließlich die betroffene Struktur. Wird sie allerdings zur Gewohnheit, entstehen die vorhin genannten zwei Probleme. Später wird es noch genauer. Die Bewegungsanalyse ist ein Begriff der Bewegungswissenschaften. Das Thema theoretisch behandelt kann sehr trocken sein. Doch wir kümmern uns nicht um Abläufe in irgendwelchen Hirnschichten, sondern gehen das ganz praktisch an.

Nun ist auffällig, dass diese Schonhaltungsmuster immer wiederkehrend sind und bei fast allen Patienten auftreten. Nach unserer eigenen Datenerfassung liegt der Wert nach 100 Patienten bei knapp über 80%. Natürlich gibt es auch typische Muster bei anderen orthopädischen Beschwerden, wie an Hüfte, Rücken und Schulter.  Aber wir wollen uns heute um das Kniegelenk und die entsprechenden Bewegungen kümmern. Denn Patienten mit Knieverletzungen sind das häufigste Klientel bei Therasport.

Wir lassen den Patienten gehen, machen eine Gangschule mit verschiedenen Übungen und in unserem Kopf findet permanent eine Bewegungsanalyse statt. Was wir sehen vergleichen wir mit unserem Ideal im Kopf. Wir sagen dem Patienten, was er ändern soll, um das Gangbild zu verbessern.

Am Anfang in der frühen Heilungsphase ist alles recht klar und einfach. Der Patient streckt das Kniegelenk am Ende der Schwungbeinphase nicht und beugt nicht nach der Abdruckphase. Das vermitteln wir ihm, manchmal geht es schnell, manchmal dauert es länger.

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo alles gut ist, die Beweglichkeit, die Kraft vermeintlich auch, er kann eine viertel einbeinige Kniebeuge, doch ganz rund ist der Gang nicht, was fehlt?

Die Exzentrik

Die Exzentrik, die fehlende exzentrische Muskelaktivität des Quadriceps beim Fußaufsatz! Irgendwann kommt die Landephase ins Spiel, damit die Exzentrik und das scheint ein rotes Tuch zu sein. Selbst beim Joggen bzw Laufen sieht das anscheinend keiner. Teilweise ist die OP Jahre her, der Sportler humpelt noch immer.

5000 Schritte täglich, die ohne exzentrische Muskelaktivität des Quadriceps gemacht werden. Dazu unsauberes Hinsitzen und Aufstehen plus die Schonhaltung beim Treppengehen. Beim Treppensteigen, driftet der Unterschenkel frühzeitig nach hinten und beim Treppabgehen findet eher eine Hüftadduktion als eine Kniebeugung statt. Kein Wunder, dass keine weitere Quadriceps-Entwicklung kommt. Und kein Wunder, dass mehr Belastung wo anders wirkt, sprich in der Hüfte und im Rücken und dort Beschwerden entstehen. 

Gehen – Bewegungsanalyse und Schonhaltung

So, die Bewegungsanalyse für das Gehen sieht nun im optimalen Fall so aus:

  1. Am Ende der Schwungbeinphase schwingt das Knie in die Streckung.
  2. Mit dem Aufsetzten der Ferse beugt das Kniegelenk, der Quadriceps arbeitet exzentrisch.
  3. Das Knie beugt bis der Ballen kontakt hat, danach streckt es wieder.

Im konkreten Fall, sprich bei der heute thematisierten Schonhaltung sieht die Bewegungsanalyse wie folgt aus:

  1. Am Ende der Schwungbeinphase schwingt das Knie bis in die vorhandene Streckung.
  2. Mit dem Aufsetzten der Ferse bleibt das Kniegelenk in dieser vorhandenen Streckung, der Quadriceps arbeitet höchstens statisch.
  3. Gangbild schaut weich-hart-weich-hart aus.

Ich muss dem Patienten verständlich machen was er –>zu welchem Zeitpunkt (im Moment des Fersenaufsatz) –>wo (Kniegelenk)und –>in welcher Richtung (von der Streckung in die Beugung) und vielleicht sogar –>warum (angewöhnt) falsch macht! Denn er kann nur etwas verändern, wenn er sich seines Fehlers bewusst ist. Zumeist sagt er: „wenn ich mich konzentriere dann klappt es ganz gut“.

Konzentration! Auf was?

Beispiel:  „konzentriert Euch, auf den Raum, auf Eure Kollegen, …“ 

Dann frage ich:“ Wieviele von Euch haben Schnürschuhe und wieviele haben Klettschuhe an?“

Wird keiner beantworten können, weil bei meiner Frage zu wenig Informationen waren. Ich kann mich nicht konzentrieren, wenn ich nicht weiß worauf. 

Es braucht einen klaren Fokus, räumlich wie zeitlich. Beispiel: Fußballer bei der Eckenausführung.

Sofortiger Erfolg

Das geniale an der Bewegungsanalyse ist, dass ich sofort was verbessern kann! Nicht erst nach Wochen, wie beim Kraftaufbau.

Primärfehler

Eine weitere Kunst ist es den PRIMÄRFEHLER herauszufinden und zu  beheben, bzw zu vermitteln.

(Vorraussetzung: Primärfehler entdecken und hier ist der Grund die Angewohnheit!)

Treppen(ab)steigen – Bewegungsanalyse und Schonhaltung

So, die Bewegungsanalyse für das Treppensteigen sieht nun im optimalen Fall so aus:

  1. Der betroffene Fuß setzt auf.
  2. Der Schwerpunkt und das Knie geht nach vorne.
  3. Aus der Kraft des oberen Beines wird der Schwerpunkt hochgehoben, dabei bewegt sich das Knie gemächlich zurück.
  4. Oberkörper bleibt nah der Senkrechten.

Bei der heute thematisierten Schonhaltung sieht die Bewegungsanalyse wie folgt aus:

  1. Der betroffene Fuß setzt auf.
  2. Der Schwerpunkt geht kaum nach vorne, das Knie auch nicht.
  3. Das Knie geht schnell zurück und wird eher unter die Hüfte gehebelt.
  4. Das untere Bein stößt mehr ab, der Oberkörper lehnt vor.

Die Bewegungsanalyse für das Treppabsteigen sieht nun im optimalen Fall so aus:

  1. Der nicht betroffene Fuß geht nach vorne unten Richtung der unteren Stufe.
  2. Das betroffene Standbein beugt indem das Knie nach vorne schiebt bis die Ferse anhebt und der untere Fuß die Stufe erreicht.

Bei der heute thematisierten Schonhaltung sieht die Bewegungsanalyse wie folgt aus:

  1. Der nicht betroffene Fuß geht nach vorne unten Richtung der unteren Stufe.
  2. Das betroffene Standbein beugt indem das Knie zaghaft und nicht weit nach vorne schiebt, dafür beugt die Hüfte mehr und adduziert bis der untere Fuß die Stufe erreicht.
  3. (2a) Variante: aus Sicht des oberen Beines erfolgt ein fallenlassen.

Quadricepstraining

Die Konsequenz neben der Bewusstmachung ist das Training des Quadriceps. Hierfür sind besonders die Kniebeuge-Varianten mit relativer Hüftstreckung zu empfehlen.

Ziele

Die Bewegungsanalyse hat nun zum Ziel:

  • einen einheitlichen Weg zur Führung der Patienten (diese Fragen ja oft die selben Frage die verschiedenen Therapeuten)
  • diese Muster überhaupt zu erkennen
  • unterscheiden zu lernen, ob ich direkt was verändern (verbessern) kann oder eben nicht

Beispiel: Achillessehenruptur Abdruck: Patient nach Achillessehnenruptur und OP kann die Ferse des Abdruckbeines nicht heben bevor die Ferse des vorderen Beines aufsetzt. Geht so lange nicht, wie einbeiniges Wadenheben nicht geht. Sprich, er muss sehr lange an der Kraft arbeiten, ich kann das Bewegungsmuster nicht sofort beheben. Es ist keine Gewohnheit.

Motorisches Lernen

  • Gewohnheit ——–>bewusst machen—–>kann sofort Veränderung bewirken
  • tatsächliche Schwäche ———->Kraftaufbau dauert Wochen bis Monate—–>kann nicht sofort Veränderung bewirken
  • Schmerz———–>Abbruch—–>kann nicht sofort Veränderung bewirken

Gewohnheit—-> der Mensch kann Dinge nur ändern, wenn er weiß welche. „Konzentration“ reicht nicht!

Hilfreich hierfür ist das Modell der motorischen Lernphasen: 

1.unbewusste Ink. —->ich weiß nicht, dass ich was Falsch mache.

2.bewusste Ink. ——>nun weiß ich, dass ich was falsch mache, kann es aber trotzdem nicht.

3.bewusste Komp. —–>ich kann es richtig machen, aber nur bewußt.

4.unbewusste Komp. —–>im Alltag kann ich es unbewußt richtig machen.

Danke für die Aufmerksamkeit beim Thema Bewegungsanalyse und Schonhaltung. Der Erfolg zeigt sich in der Praxis.

Jochen Steinmaier, Ihr Trainerman. Personal Training München – gesund trainieren.

Weiterempfehlen:
2019-04-24T17:30:31+00:00

About the Author:

Sportlehrer, Sporttherapeut, Personal Trainer, Lauftrainer

Hinterlassen Sie einen Kommentar

WhatsApp chat